Heute hört
man immer noch den berühmten Spruch vieler Mütter und Väter: "Unsere
Kinder sollen es einmal besser haben". Wir sind davon überzeugt,
dass wir eine wunderschöne Kindheit und Jugend hatten, die heute kaum
noch zu erreichen ist.
Unser Spielplatz war die Straße vor der Haustüre - Klicker, Seilspringen,
Hüpfkästchen,
Völkerball, Gummitwist, Rollschuhlaufen, Verstecken und Federball spielten
wir von morgens bis abends, ungehindert, ohne Autoverkehr.In der Ewichtgaaß war immer was los, hier trafen sich die Kinder aus den umliegenden Straßen. Besonders in den Sommerferien, wir Kinder spielten bis spät abends - Federball - die Eltern lagen an den Fenstern und schauten zu - Fernseher hatten wir in der Zeit noch nicht. Wir spielten bis die Straßenbeleuchtung anging, unser Flutlicht. Unser Kuhn's Opa saß immer in seinem Stuhl vor der Haustüre und guckte zu. Bei uns in der Oberstraße und der Himmeroder Straße gab es sogar noch zwei Bauern und zwei Winzer. Sogar einen Pferdeschmied - de aale Kunz - gab es noch.
Wir erzählen euch jetzt mal, wie es damals bei uns als Kinder so war:
"Morjens un owens äss bei Thönessen immer gemulk gäw'n genn. Un wenn dau daahn en de Staahl renn kummen bess, honn die Thönessen-Kerlen - de Jupp un de Paul - anen immer mett da Mellich beschuuß, bess ma plätschpudelnaaß woar. Emm Summa, wenn die klän, zockasees Biren reif woaren, hot die all Thönessen erwisch om Finsta gehangen un hot os gestieppt. Wenn se maich mett opp et Stieck gehull honn, weil aich dänen läd gedohn honn, most aich och owens mett däm ganzen Thönessen-Sippersoamen om grußen Desch ähssen: denn hot die aal Thönessen mir en Schmär gemaach, suu gruß wie en Wonsrod, ed hot awer naist genotzt! - 'Der Willi ist klein geblieben.'
Bei der Staudts an der Hemmatgaaß homma jede Penning in Gutzja umgesätzt. Die erscht Zigaretten (Africaine, Rothändle und Maryland in der Vier-Stück-Packung) homma och do koof, un opp dem Schaff unna da Brick homma de dahn geflemst. Wenn de Vatta owens Dorscht haad, sai mia Kenner mett da Porz bei de Huwisch-Hanni Viez hohle gangen, un aner Kenner mosten Mellisch hohlen giehn, bei Hecken-Franz oder Hahnens-Häns. Opp dem Hämwäsch sain die Kaahnen nummen noch halewer vull woaren, guwed Kamedi.
So woar ed en da Ewischtgaas."
Zu diesen Kindheitserinnerungen fällt mir dann auch noch ein Liedchen ein, das unser Papi oft für uns Kinder gesungen hat:
Melodie: Filipoli - Filipola
Mäh, mäh,
so meckert die Butsch von Thönesse-Jüppchi
se gibt kähn Mellisch mi,
de Ouder es leer,
Magermilch, Magermilch ist der letzte Schrei,
Vollmilch, Vollmilch ist schon lang vorbei,
mäh, mäh, mäh, mäh, mäh,
so meckert die Butsch von Thönesse-Jüppchi
s e gibt kähn Mellisch mi,
de Ouder es leer.
Natürlich war es in den anderen Straßen unserer Stadt genauso schön und interessant. Das erfuhren wir bereits im Kindergarten. In der Schule lernten wir dann die Bernhardiner kennen und lieben.
Wir Markusaffen kämpften oft mit Erfolg gegen die Bernhardiner beim Sportfest. Das lauwarme, lange Fleischwürstchen und die Flasche Limo gehörten genau so zu diesem Tag, wie die lautstarken Anfeuerungsschreie beim Völkerball.
Auch die Kinder von St. Bernhard hatten ein besonderes Erlebnis während ihrer Schulzeit: Irgendwann gab es noch einen Höhepunkt, den die Erwachsenen sicher nicht als besonders gelungen empfanden. Wir verursachten eine Überschwemmung der Volksschule am Jahnplatz!
Es war noch recht früh im Jahr und an der Stelle, wo heute der Kinderkarten am Jahnplatz steht, schlängelte sich nur der Rommelsbach durch ein Pappelwäldchen - ab und zu gekreuzt von einem Maschendrahtzaun, der die beiden benachbarten Grundstücke abgrenzte. Wo jetzt der Parkplatz ist, war damals "verbotenes Land" - ein Obstgarten mit einem alten Luftschutzbunker, der einem immer übellaunigen "alten" Mann gehörte. Auf unserer Seite haben wir im Rommelsbach kunstvolle Staudämme gebaut, um Schiffchen schwimmen zu lassen. Normalerweise passte der Rommelsbach bei größerem Regen immer noch durch den Zaun. Durch unsere "Staustufe" hatte sich das verändert: Ein kleines Hochwasser schwemmte jede Menge Pappellaub in den Maschendrahtzaun und der Rommelsbach stieg zu ungeahnten Höhen. - bis in den Keller der Grundschule und in einige Räume im Erdegeschoss. Schulfrei war trotzdem nicht. Wir mussten zur Volksschule St. Markus marschieren...
Nach dem vierten Schuljahr gingen viele von uns auf die weiterbildenden Schulen, trotzdem verloren wir uns nicht aus den Augen.
Falls doch? Zum Wiedersehen ist die Säubrennerkirmes da!
Wir wünschen uns ein schönes Wiedersehen.